AKTUELL / CURRENT

WIBKE RAHN

Heimspiel-Stipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen 2021
 

September bis November 2021

Wibke Rahn studierte zunächst Kunstpädagogik in Greifswald, anschließend bildende Kunst mit Schwerpunkt im Fachbereich Glas-Objekt-Bild-Raum an der Burg Giebichenstein in Halle an der Saale. Seit 2004 lebt und arbeitet sie in Leipzig. Hier stellte sie bereits im Museum der bildenden Künste und der Leipziger Jahresausstellung aus, aber auch über die Stadtgrenzen hinaus unter anderem in der galerie hamburger kunstprojekt oder der Fundación Bilbao Arte in Spanien.

In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich besonders mit sogenannten „Nicht-Orten“, die der Ethnologe Marc Augé als sinnentleerte, transitorische Funktionsorte definiert. Sie sind Zeichen eines kollektiven Identitätsverlustes, Orte des Ortlosen. Gemeint sind damit beispielweise die unzuortenbare Betonarchitektur in globalen Megacities. Dabei reflektiert sie bereits in der Herstellung ihrer Objekte die verschiedenen Bauverfahren ebensolcher Nicht-Orte. Ähnlich wie die einfachen Behausungen von Geflüchteten entwirft und baut sie ihre Objekte aus Holz- und Metallfundstücken und gießt diese anschließend, der modernen Massenarchitektur gleich, mit Stahlbeton aus. Die daraus entstehenden Miniaturgebäude inszeniert sie in Fotografien perspektivisch gekonnt an realen Orten, um so fiktive Nicht-Orte zu erschaffen.

Ein Stipendium der

AUSTAUSCHPROGRAMM THESSALONIKI – LEIPZIG 2021 / EXCHANGE PROGRAM THESSALONIKI – LEIPZIG 2021

Emrah Gökdemir

Residenzkünstler Januar 2020 – November 2021

Der Ansatz des Künstlers Emrah Gökdemir aus dem südtürkischen Antakya durchkreuzt die Medien von Malerei, Film und Performance bis hin zu Gestaltung von Gärten und kulinarischen Köstlichkeiten. Jenseits seines Kunstschaffens ist Gökdemir aber auch Organisator und Multiplikator zahlreicher Veranstaltungen und Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in seiner Heimatregion. Nach dem Kunststudium in Antakya hatte er 2005 als Teil des Kunstkollektives A77 begonnen. Als Produktionsmanager hat er 2010 für die 2. Internationale Antakya Biennale gearbeitet und 2011 hat er Antakyas Gemeinschaft für Gegenwartkunst AGUSAD mitgegründet. 2012 organisierte er das Festival für Kunst im öffentlichen Raum »Bedesten«. Seit dem hat er gute künstlerische Kontakte nach Polen und an zahlreichen Ausstellungen und Performancefestivals in Lublin, Kraków, Wroclaw usw. teilgenommen. Gemeinsam mit der Anthropologin Yael Navaro arbeitet er auch wissenschaftlich zu Nachwirkungen von Kriegs- und Gewalterfahrungen in der Türkei. In diesem Kontext hat er Ausstellungen in Istanbul und Cambridge (Großbritannien) organisiert. Zuletzt hat er 2019 in Beirut (Libanon) das Performancefestival »Performing In-Visible Borders« mitorganisiert und das Antakya Performative Collective gegründet.

Bevor Emrah Gökdemir 2020 seine fast einjährige Residenz bei der HALLE 14 antrat, war er bereits zwei Mal in Leipzig zu Gast. Bereits im November 2016 zeigte er bei einer Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung »Terra Mediterranea: In Action« (17. September bis 20. November 2016) sein Video »What Khidir Says to Moses: Turn Around Me« (2015). Das Video zeigt Gläubige, die sich im das Al-Chidr-Heiligtum in der Stadt Samandağ in Gökdemirs Heimatregion Hatay herumbewegen. Der Koran erzählt von der Begegnung zwischen dem islamischen Heiligen Al-Chidr und Moses und thematisiert dabei das menschliche Unvermögen und der Ungeduld, Gottes Handlungen zu verstehen. Gökdemirs Video stellt eine Verbindung zwischen diesem Glauben und dem aktuellen Bürgerkrieges im nahe gelegenen Syrien her. Das Umkreisen war auch die zentrale Bewegung der Performance »Aphasic-Aphonic Circumambulation«, die Gökdemir gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Kenan Nuraydın Juli 2019 im Rahmen der Ausstellung »Vergessene Aufklärungen« (27. April bis 4. August 2019) aufführte. Die Performance behandelt den Verlust der Kommunikationsfähigkeit, eingebettet in religiös anmutende kreisende Bewegungen. 2020 ist Emrah Gökdemir für fast ein ganzes Jahr Stipendiat der HALLE 14. Ziel seines Aufenthalts ist es an eigenen künstlerischen Projekten zu arbeiten und sein europäisches Netzwerk weiterauszubauen.