Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung "Die Kultur der Angst"

Donnerstag, 25.05.2006, HALLE 14, Leipzig
Freitag, 26.05.2006, ACC Galerie, Weimar
RISIKO oder: Die Angst vor dem Unbestimmten.
Vortrag von Dr.-Ing. Msc. Dirk Proske, Risikoforscher am Institut für Alpine Naturgefahren Wien, University of Life Sciences Wien, Autor des Buches „Katalog der Risiken”
Der Risikoforscher Dirk Proske hat in seinem Vortrag gezeigt, dass nicht natürliche oder technische, sondern gesundheitliche und soziale die höchsten Risiken für Menschen darstellen. Gerade die Lebensqualität als höchster Risikoparameter kann z.B. als die Menge der Lebensoptionen eines Menschen betrachtet werden. Optionen sind in gewisser Weise an die Unbestimmtheit der Zukunft gekoppelt. Sie sind eine positive Wahrnehmung der Unbestimmtheit, während Angst eine negative ist. Angst engt Optionen ein und begrenzt die Handlungsziele. Letztendlich sollte Angst ein vorübergehender Zustand mit dem Ziel der kurzfristigen Sicherung des Überlebens sein. Langfristig sichern dagegen andere Strategien einen besseren Umgang mit der Zukunft und ihrer Unbestimmtheit.


Donnerstag, 29.06.2006, HALLE 14, Leipzig
Mittwoch 28.06.2006, ACC Galerie, Weimar
Die Macht der Angst in modernen Kreuzzügen und Jihads.
Vortrag von Dr. phil. Michael Rehbehn, Hochschule der Künste Berlin, Goldsmith College London, Filmemacher, Autor u.a. bei openDemocracy.net
In den letzten Jahren entstand eine bipolare Welt. Die westliche Welt befindet sich seitdem im „Kreuzzug” gegen den Terrorismus, die islamische im „Jihad” gegen den Imperialismus. Vielleicht hat sogar ein ängstlicher Gott diese Welt geschaffen. Der Vortrag jedoch hat die Menschen am Werk gezeigt, die die Vorstellung von einer Bedrohung durch ein terroristisches oder imperialistisches Netz Realität werden ließen. Der Misserfolg des liberalen Traumes von der besseren Welt gebar zwei idealistische Bewegungen: die amerikanischen Neokonservativen und die radikalen Islamisten. Gemeinsam haben sie die Welt verändert, indem sie das heutige Alptraumszenario einer erneut polarisierten Welt schufen. Das half ihnen, wie auch den Ängstlichsten in Politik, Religion und Medien weltweit, mächtig zu werden in einem desillusionierten Zeitalter.


Donnerstag, 06.07.2006, HALLE 14, Leipzig
Idealpanik – Esoterikbewegung – Islamophobie.
Projektvorstellungen und Künstlergespräche mit Peter Bux, Mandy Gehrt, Peter Wächtler, moderiert von Knut Birkholz und Frank Motz
Peter Wächtler (Berlin) sprach über Angebote, Traditionen und soziale Vorstellungen der Esoterikbewegung und thematisiert astrologische Interpretationen von Wirklichkeit sowie die mystischen Räume und Bilderwelten, die der Angstmilderung dienen können. Die künstlerische Arbeit von Mandy Gehrt (Leipzig) konzentrierte sich auf die gegenwärtige Situation von Musliminnen und die sich ausbreitende Islamophobie in Deutschland – so in den Videos „Aischa” und „Drum prüfe, was sich ewig bindet…”, in Fotografien, Collagen und der von ihr initiierten Kommunikationsplattform „ISLAM LOVES PEACE” nebst gleichnamigen Modelabel. Peter Bux (Leipzig) erläuterte Aspekte seine „Nutzbaren Bodenflächen bei Panik”, die auf analytisch ermittelten Fluchtbewegungen bei Gefahrensituationen in Bauwerken basieren, woraus grafische Darstellungen von Idealpanik und ortsspezifisch „angewandter” Panik entwickelt werden können.


Donnerstag, 14.09.2006, HALLE 14, Leipzig
Terrorismus und Traumata: Eine Herausforderung für unsere Seele?
Vortrag von Dipl.-Psych. Tobias Ringeisen, Universität Wuppertal, Mitglied der STAR-Gesellschaft [Stress and Anxiety Research Society]
In seinem Vortrag wurden von Tobias Ringeisen Aspekte der Angstentstehung und -wirkung, sowie deren mögliche Konsequenzen für körperliche und psychische Gesundheit dargestellt. Im Fokus standen zunächst individuelle Wahrnehmungsprozesse, Bewertungen und ihnen zugrunde liegende Persönlichkeitseigenschaften: Wie gehen wir mit Bedrohung um, was unterscheidet gesunde Alltagsangst und Angststörung, welche psychischen Ressourcen schützen uns vor möglichen Belastungsreaktionen? Diese individuelle Perspektive wurde in eine Betrachtung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen integriert, die psychische Prozesse zum Teil massiv beeinflussen können – im Hinblick darauf, wie sich die Medien, Politik oder Wirtschaft die Ängste der Menschen zunutze machen, um bestehende soziale, politische und ökonomische Machtverhältnisse zu erhalten.