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Foto: Denis Bury

Lounge14

#2 – IM STRUDEL DER AUFWERTUNG

Beispiel Hamburg

Do, 11. Februar 2010

Eintritt frei

Gespräch und Filmscreening mit Irene Bude (Mitautorin des Films „Empire St. Pauli“, Hamburg) und Michael Ziehl (Initiative „Komm in die Gänge!“, Hamburg)
Moderation: Doreen Mende (Kuratorin, Berlin)

Die Stadtentwicklung hat Künstler und Kreative als Pioniere, Indikatoren und Katalysatoren von Aufwertungsprozessen entdeckt. Die Kreative Klasse gilt als Wachstumsgarant und Standortvorteil. Doch, was bleibt von den geschaffenen Kreativ- und Freiräumen alternativer Stadtviertel, wenn die prognostizierte Wertsteigerungsspirale einsetzt? Hamburgs berühmtester Stadtteil St. Pauli erfährt in Verbindung mit Europas größtem Stadtentwicklungsprojekt Hafen City eine rasante Aufwertung, die die Mieten heraufschnellen lässt und weniger gut Betuchte zwingt, wegzuziehen.

Der Dokumentarfilm „Empire St. Pauli – Von Perlenketten und Platzverweisen“ (2009) von Irene Bude und Olaf Sobczak zeigt anhand von Interviews mit Stadtteilakteuren widersprüchliche Interessen in der aktuellen Entwicklung auf. Der unter Creative-Commons Lizenz veröffentlichte Film begreift sich selbst als aktives Statement in diesem Prozess. Seine Vorführungen regten zu Diskussionen an, die unterschiedliche Stadtteilinitiativen beflügelte.

Unter dem Motto „Komm in die Gänge!“ besetzte eine Initiative von rund 200 Künstlern und Kreative im August 2009 ein Dutzend leerstehende, denkmalgeschützte Häuser in der Hamburger Innenstadt, die als Gängeviertel bekannt sind. Unter anderem machten sie dadurch auf die knappen und teuren Atelierräume ihrer Stadt aufmerksam und stellten die soziale Frage neu: Statt einem unternehmerischen Verständnis von Stadtpolitik fordern sie eine Stadt für alle. Überraschend fand diese Besetzung breite Zustimmung in Medien und allen politischen Lagern. Leipzigs Baubürgermeister Martin zur Nedden lud die Künstler sogar ein, nach Leipzig überzusiedeln. Doch die Künstler erstritten sich das Bleiberecht. In der Folge räumte der Senat stadtplanerische Fehlentscheidungen ein und kaufte die Häuser für viel Geld vom Investor zurück. Die zukünftige Entwicklung ist allerdings offen. Die Stadt will das Gebäudeensemble selbst entwickeln, während die Initiative ihr Nutzungskonzept durchsetzen möchte, das unter anderem sozialgerechten Wohnraum und ein soziokulturelles Zentrum vorsieht. Um das Gängeviertel vor Gentrifizierung zu schützen, soll es selbstverwaltet bleiben.

Zur zweiten Lounge14-Veranstaltung präsentierte Irene Bude den Film „Empire St. Pauli“ (2009, 85 min) und der Stadtplaner Michael Ziehl stellte die Initiative „Komm in die Gänge!“ vor, um dann gemeinsam mit dem Publikum zu diskutieren.

Weitere Informationen unter www.empire-stpauli.de [1] und das-gaengeviertel.info [2]

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