Christian-Gottlieb-Priber-Plattform in der Ausstellung "Mit krimineller Energie", 2002, Foto: Claus Bach

Königreich Paradies

Ein Utopist aus Sachsen bei den Cherokee-Indianern: Christian Gottlieb Priber (1697-1745)

Mittwoch, 13. Juni 2012
Eintritt frei.

Gespräch und Vortrag mit Prof. Dr. Marin Trenk (Goethe-Universität, Frankfurt a.M.) und Frank Motz (Kurator HALLE 14 e.V./ ACC Weimar)

Von alters her haben Menschen von gerechteren Gesellschaften und besseren Welten geträumt und ihre Ideale in literarischen Utopien niedergelegt. Einer der Wenigen, die versucht haben, ihre Vorstellungen tatsächlich in die Praxis umzusetzen, war Christian Gottlieb Priber (1697-1745) aus Zittau, ein bisher weithin unbekannter Jurist, Ethnologe, Frühaufklärer und Sozialutopist. Sein Entwurf eines idealen Gemeinwesens ist im 18. Jahrhundert das einzige uns bekannte Beispiel einer weltlichen Utopie unter einer Vielzahl religiöser Kommunen, obwohl er es wie die Frommen, vielleicht in polemischer Absicht, „Königreich Paradies“ nannte.

Priber verließ wegen seiner Ideen in den 1730er Jahren seine sächsische Familie und floh über London nach Amerika, wo er von den Cherokee-Indianern aufgenommen wurde. Erst dort fand er Gleichgesinnte, die das Sozialexperiment nach seinen Maximen leben wollten: Gleichheit aller Menschen („dass es in seiner Republik keine Herrschaft geben solle“), Gleichberechtigung von Mann und Frau, Gemeinbesitz, Zuflucht für entlaufene Sklaven, Vereinigung aller indianischen Völker – und das mehr als 50 Jahre vor der Französischen Revolution. Bereits nach wenigen Jahren bereiteten die britischen Kolonisatoren seiner Vision ein vorzeitiges Ende.

Der Frankfurter Ethnologe Marin Trenk stellte in seinem Vortrag die historische Figur vor, die mit verschiedenen Dokumenten zu und über Pribers abenteuerliches Leben Teil der aktuellen Ausstellung der HALLE 14 „Mit krimineller Energie – Kunst und Verbrechen im 21. Jahrhundert“ ist. Im Rahmen der Ausstellung hat die HALLE 14 das Christian-Gottlieb-Priber-Reisestipendium ausgeschrieben. Es lädt internationale Künstler dazu ein, den Spuren Pribers zu folgen und aus den Eindrücken und Entdeckungen dieser Reise ein eigenes Projekt zu entwickeln. Der Kurator der aktuellen Ausstellung und Initiator des Stipendiums, Frank Motz, nahm den Abend zum Anlass, seinem Interesse an dem sächsischen Visionär und Freigeist in einem öffentlichen Gespräch mit Marin Trenk nachzuspüren. Gemeinsam dachten beide darüber nach, inwiefern Pribers Leben und Wirken auch für unsere heutige Zeit relevant sein kann.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung „Mit krimineller Energie - Kunst und Verbrechen im 21. Jahrhundert”.

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