JEREMY SHAW: QUICKENERS

Abb.: Jeremy Shaw, Quickeners (Still), 2014.

Donnerstag, 22. Oktober 2015,
um 19 Uhr

Ort / Location:
Luru Kino in der Spinnerei

Eintritt frei / free of charge

Filmscreening mit anschließendem Künstlergespräch mit /
Film Screening and Artist Talk with Jeremy Shaw (CA).

In englischer Sprache / In English

Der Rausch ist zentrales Motiv in den Arbeiten des in Kanada geborenen und in Berlin lebenden Videokünstlers Jeremy Shaw. Immer wieder behandelt er das Transzendentale, ob durch Drogen, Religion oder Tanz stimuliert. Als zentrale Inspirationsquelle führt Shaw Ken Russells Spielfilm „Der Höllentrip“ (1980) an, in dem sich ein Wissenschaftler in veränderten Bewusstseinszuständen Erkenntnisse über die menschliche Existenz erhofft und an die Grenzen seines Seins stößt.

Für die Videoinstallation „DMT“ (2004) dokumentiert er die bewusstseinsverändernde Wirkung der Droge Dimenthyltryptamin auf seine Freunde. In „Best Minds Part One“ (2007) verwandelt er Pogo tanzende Hardcore-Punks mittels Zeitlupe in sich in Ekstase tanzende Schamanen.

Shaws neuester Film „Quickeners“ (2014) führt uns in eine 500 Jahre vor uns liegende Zukunft der Quantum-Humanoiden: Sie sind alle drahtlos durch die abstrakte Entität „Der Bienenstock“ verbunden. Sie handeln rein rational und sind unsterblich. Eine Minderheit, die Quickener, leidet am Human Atavism Syndrom (H.A.S.). Dabei handelt sich um eine Störung, die die Betroffenen mit ordinären menschlichen Lüsten und Gefühlen peinigt. Der Film basiert in einer Art Science-Fiction-Mockumentary auf Ausschnitten von Peter Adairs Dokumentation „Holy Ghost People“ (1967) über den Gottesdienst einer Pfingstgemeinde in West Virginia: Wir werden Zeugen von lautem Lachen und Weinen, Predigten, Gesängen, „In-fremden-Zungen-beten“, epileptischen Tänzen und „Schlangen anfassen“. Shaw nutzt verschiedene Verfremdungseffekte, zunächst erst einmal, in dem er die Tonspur durch eine respekteinflößende Erzählstimme ersetzt.

Der Film widersetzt sich der Ästhetik des „cinéma vérité“ und nutzt bewusst antiquiert erscheinendes Archivmaterial, um über unsere Gegenwart und Zukunft zu reflektieren, weil sich hier die Beziehung zwischen Glauben und Gegenstand dehnbarer gestaltet. Das folgende Gespräch mit dem Künstler bietet Anlass über seine Arbeit, die normative Funktion des sozialen Feedbacks im Kontext der Ausstellung „Kontrollmodus Feedback“ und die befreienden Wirkungen von Kunst und Transzendenz zu diskutieren.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der AoN_Association of Neuroesthetics und dem Luru Kino.

Weitere Informationen zu Jeremy Shaw unter www.jeremyshaw.net