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ISKRA. Von Leerstellen der Geschichte

Vortrag und Diskussion

Mittwoch, 17. September 2014
19 Uhr in HALLE 14


Eintritt frei.

 

Mit: Julia Mensch (Künstlerin, Argentinien), Steffi Marung (Historikerin, Universität Leipzig) und Thomas Klemm (Kurator, Leipzig)

Viele epochemachende Werke wurden in der ehemaligen Buchdruckmetropole Leipzig erstmals gedruckt. 1900 kam Lenin nach Leipzig, um hier die Endredaktion der ersten Ausgabe der russischen, revolutionären Zeitung ISKRA (dt. Der Funke) vorzunehmen. Leipziger Sozialdemokraten unterstützten ihn bei dieser heimlichen und gefährlichen Aktion.

Der argentinische Kommunist Rafael Mensch besucht 1973 die DDR, für ihn das Land, in dem er seine Utopie bereits verwirklicht sah, und dabei u.a. die ISKRA-Gedenkstätte in Leipzig-Probstheida. Unter den Erinnerungsstücken von Rafaels Reise durch die DDR und die Sowjetunion findet seine Enkelin Julia ein Foto, das den Großvater vor der Gedenkstätte mit zwei Unbekannten zeigt. 30 Jahre später folgt Julia Mensch in einer künstlerischen Recherche den Spuren Rafaels, findet allerdings eine vollkommen veränderte politische Landschaft vor. Die ISKRA-Gedenkstätte ist bereits seit 23 Jahren geschlossen, dass Gebäude steht leer und ist kürzlich verkauft worden.

Julia Mensch begab sich auf die Suche nach dieser verschwundenen Geschichte, nach Zeitzeugen und den Exponaten des ehemaligen Museums. Dabei stößt sie auf Leerstellen, Gedächtnislücken und politisch gewolltes Vergessen. Nicht nur, dass diese historische Episode heute nicht mehr erinnerungswürdig erscheint. Auch für die historische Authentizität des Ortes fehlen die Belege.

In einem Vortrag präsentiert Julia Mensch ihre Recherchen zur Gedenkstätte ISKRA-Druckerei in Probstheida, wo sie wenige Tage später eine Ausstellung vor Ort eröffnen wird. In einem Gespräch mit der Historikerin Steffi Marung und dem Kurator Thomas Klemm werden diverse Leerstellen in unserer Erinnerungskultur und vergessene internationale Perspektiven auf die DDR-Geschichte beleuchtet. Was darf erinnert werden, was nicht? Lässt sich der utopische Wunsch nach einer rational geordneten, gerechten Welt aus den Trümmern der kommunistischen Geschichte bergen?

 

Weitere Informationen unter www.julia-mensch.blogspot.com