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Stipendium 2013: The Politics and Pleasures of Food

Abb.: Rafram Chaddad, Black Swan, Performance am 28. November 2013 (Foto: Robert Beske)

Stipendiat: Rafram Chaddad (IL/TN)

Im Zusammenhang mit der Ausstellung „The Politics and Pleasures of Food” [1] (21. September bis 17. November 2013) hat die HALLE 14 im Juli 2013 ein themengebundenes Aufenthaltsstipendium ausgeschrieben. Künstler weltweit waren eingeladen, sich bis zum 5. August 2013 mit einer Projektidee zu bewerben. Bis zum Fristende haben sich insgesamt 121 Künstler aus 51 verschiedenen Ländern beworben. Am 9. August 2013 tagte die dreiköpfige Kunstexpertenjury, die sich aus Dr. Petra Lewey (Leiterin der Kunstsammlung Zwickau), Stéphane Bauer (Leiter des Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin) und Frank Motz (Künstlerischer Leiter der HALLE 14, Leipzig) zusammensetzte.

Ihre Wahl fiel auf den in Tunesien und Israel lebenden Künstler Rafram Chaddad, der bereits seit längerer Zeit zum Thema Essen und Kunst arbeitet. Chaddad wurde 1976 in Djerba, Tunesien, als Sohn einer jüdischen Familie geboren. Seine Kunst findet zumeist in Aktionen im öffentlichen Raum statt, aber er arbeitet auch in den Medien Fotografie und Video. Der Künstler sagt über seine Arbeit:

„Ich interessiere mich eher für Spannungen und Beziehungen zwischen Menschen als für normale Arbeit im Studio. Mein Fokus beim Thema Essen liegt auf Einwanderung und Fragen des Lokalen.“

Zu seinen jüngsten Projekten gehört unter anderem die Fotoausstellung „end of the day“ in einer alten Bäckerei in Jerusalem. Chaddad stellte hier fünf Fotografien aus dem Jahr 2007 aus, die den alteingesessenen Bäcker Samir Zalatimo zeigten, der jeden Tag gegen 15 Uhr für etwa eine halbe Stunde bewegungslos vor seiner Bäckerei saß, um Pause zu machen, während sein Sohn Hani still neben ihm sitzt. In Chaddads Performance „7as“ finden sich verstärkt Aspekte interkultureller Kommunikation. Hier griff er die alte Tradition aus Straßencafés in Aleppo und Beirut auf, Reisenden kostenlos Salatblätter und ein Glas Wasser zu servieren. Er übertrug dies in die Altstadt Jerusalems und zog mit einem Wagen durch die Gassen, um Salat und Wasser an Passanten zu verteilen. Der daraufhin rasch entstehende Menschenauflauf wurde ganz im Sinn des Künstlers zur Kommunikationsplattform.

Von September bis November 2013 hatte Rafram Chaddad die Möglichkeit, seine Ideen für drei Monate in einem Atelier auf dem Spinnereigelände in Leipzig umzusetzen.

In Leipzig realisierte er sein Projekt „Black Swan“, für das er auf zwei kreisrunden Beeten in der Ausstellung „The Politics and Pleasures of Food” [2] Gerste als Rohstoff für dunklen Couscous wachsen ließ. Hintergrund von Chaddads Projekt ist die Frage, wie sich soziale Hierarchien von arm und reich bzw. Erste und Dritte Welt in der Ernährung spiegeln, in diesem Falle im Verhältnis von Vollkorn und hellen Speisen. Während weißer Couscous in Tunesien früher als Luxusware und dunkler als "Arme-Leute-Speise" galt, ist es heute umgekehrt. Heute gilt Vollkorn als gesund und hell als schädlich. Wer es sich leisten kann, isst Vollkorn - nicht nur in Europa. Im Open Studio [3] am 28. November 2013 reichte der Künstler und Begründer der israelischen Slow-Food-Bewegung dunklen Couscous mit einer Fischsoße an die Besucher und Besucherinnen. Da es Chaddad immer um das soziale Moment geht, konnte man parallel zum gemeinschaftlichen Essen auch Tischtennis spielen und drei neue Videos betrachten: In „shibolet“ (2013) singt ein Männerchor ein hebräisches Bauernlied über den Gerstenanbau. In den zwei weiteren Videos konnte man eine Köchin bei der Zubereitung von weißem Couscous und einen tunesischen Koch beim Frittieren der weißen Fladenbrotspeise Brik beobachten.

Weitere Informationen unter www.rafram.com [4] und unter Ausstellungen [5] auf dieser Webseite