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Foto: Robert Beske

ALLGEMEIN

Residenzprogramm (Deutsch)
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Abb: Aikaterini Gegisian, I was the Victim of my own History, 2018

AUSTAUSCH LEIPZIG-THESSALONIKI 2020

Jurys wählten Alisa Kossak, Klara Charlotte Zeitz, Aikaterini Gegisian und Marios Chatziprokopiou für Stipendien aus

Seit 1984 sind die griechische Mittelmeermetropole und Leipzig Partnerstädte. Seit drei Jahren organisiert das Goethe Institut Thessaloniki gemeinsam mit dem Literaturmagazin Edit und dem Kunstzentrum HALLE 14 ein Austauschprogramm für Kunst und Literatur. Nach einer öffentlichen Ausschreibung in Leipzig und Griechenland haben jetzt die unabhängigen Fachjurys die Stipendiatinnen und Stipendiaten für 2020 ausgewählt.

Für drei Monate von September bis November gehen die Künstlerin Alisa Kossak und die Autorin Klara Charlotte Zeitz nach Thessaloniki. Sie wurden aus insgesamt 23 Bewerbungen von einer dreiköpfigen Jury bestehend aus der Kinderbuchillustratorin und Designerin Elli Chrysidou, der Co-Direktorin des Kulturmanagementbüros ArtBOX, Lydia Chatziiakovou, und dem künstlerischen Leiter der Exzellenzinitiative Common Lab, Christos Savvidis, in Thessaloniki ausgewählt.

Alisa Kossak studierte bis 2019 Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. In ihren Projekten wie »No Time for Exhibitions (I-V)« reflektiert sie die Bedingungen für das Ausstellen von Kunst. In ihrem Projekt möchte sie diesen Bedingungen vor dem kulturellen, sozialen und historischen Hintergrund der Partnerstadt nachgehen.

Klara Charlotte Zeitz hat Kunst-, Film- und Theatergeschichte im italienischen Neapel studiert und lebt als Autorin in Leipzig. Sie wird in Thessaloniki für einen neuen Roman über die Seeräuberin Laskarina Bouboulina recherchieren, die im griechischen Befreiungskrieg in den 1820ern ihre Flotte gegen die Osmanen führte.

Jeweils einen achtwöchigen Aufenthalt in Leipzig werden der Theaterwissenschaftler Marios Chatziprokopiou und die Künstlerin Aikaterini Gegisian verbringen. Sie wurden aus 31 Bewerbungen von einer ebenfalls dreiköpfigen Jury ausgewählt, zu der die langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Klassische Philologie der Universität Leipzig, Ursula Novotny, die Kuratorin beim Büro für kulturelle Übersetzungen Бükü, Olga Vostretsova, und der Performancekünstler Emrah Gökdemir gehörten.

Marios Chatziprokopiou ist Theaterwissenschaftler, Anthropologe und Autor der derzeit an der Universität von Thessalien forscht. In seinem Projekt möchte er Leipzig und Thessaloniki über »Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken« (1903) des Richters Daniel Paul Schreber und Thessalonikis homoerotische Poeten wie Nikos-Alexis Aslanoglou verknüpfen.

Die Künstlerin Aikaterini Gegisian arbeitet recherchebasiert mit Archiven der Populärkultur. Sie hat mit ihren Fotocollagen an zahlreichen Ausstellungen und Biennalen weltweit teilgenommen und war 2015 Teil der Gruppenausstellung im Armenischen Pavillon der 56. Venedig-Biennale, die den Preis »Goldener Löwe« erhielt. In Leipzig möchte sie eine Collage aus privaten und touristischen Fotografien schaffen, die vom urbanen Verfall und Erneuerung beider Partnerstädte erzählen wird.

Eine Kooperation zwischen dem Goethe Institut-Thessaloniki, dem Literaturmagazin Edit und der HALLE 14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst Leipzig.

Ein Austauschprojekt von

in Kooperation mit

Unterstützt durch

Aktuell / Current:

Abb.: Emrah Gökdemir, Foto: Daniel Niggemann | HALLE 14

Emrah Gökdemir

Residenzkünstler Januar – November 2020


Der Ansatz des Künstlers Emrah Gökdemir aus dem südtürkischen Antakya durchkreuzt die Medien von Malerei, Film und Performance bis hin zu Gestaltung von Gärten und kulinarischen Köstlichkeiten. Jenseits seines Kunstschaffens ist Gökdemir aber auch Organisator und Multiplikator zahlreicher Veranstaltungen und Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in seiner Heimatregion. Nach dem Kunststudium in Antakya hatte er 2005 als Teil des Kunstkollektives A77 begonnen. Als Produktionsmanager hat er 2010 für die 2. Internationale Antakya Biennale gearbeitet und 2011 hat er Antakyas Gemeinschaft für Gegenwartkunst AGUSAD mitgegründet. 2012 organisierte er das Festival für Kunst im öffentlichen Raum »Bedesten«. Seit dem hat er gute künstlerische Kontakte nach Polen und an zahlreichen Ausstellungen und Performancefestivals in Lublin, Kraków, Wroclaw usw. teilgenommen. Gemeinsam mit der Anthropologin Yael Navaro arbeitet er auch wissenschaftlich zu Nachwirkungen von Kriegs- und Gewalterfahrungen in der Türkei. In diesem Kontext hat er Ausstellungen in Istanbul und Cambridge (Großbritannien) organisiert. Zuletzt hat er 2019 in Beirut (Libanon) das Performancefestival »Performing In-Visible Borders« mitorganisiert und das Antakya Performative Collective gegründet.

Bevor Emrah Gökdemir 2020 seine fast einjährige Residenz bei der HALLE 14 antrat, war er bereits zwei Mal in Leipzig zu Gast. Bereits im November 2016 zeigte er bei einer Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung »Terra Mediterranea: In Action [4]« (17. September bis 20. November 2016) sein Video »What Khidir Says to Moses: Turn Around Me [5]« (2015). Das Video zeigt Gläubige, die sich im das Al-Chidr-Heiligtum in der Stadt Samandağ in Gökdemirs Heimatregion Hatay herumbewegen. Der Koran erzählt von der Begegnung zwischen dem islamischen Heiligen Al-Chidr und Moses und thematisiert dabei das menschliche Unvermögen und der Ungeduld, Gottes Handlungen zu verstehen. Gökdemirs Video stellt eine Verbindung zwischen diesem Glauben und dem aktuellen Bürgerkrieges im nahe gelegenen Syrien her. Das Umkreisen war auch die zentrale Bewegung der Performance »Aphasic-Aphonic Circumambulation [6]«, die Gökdemir gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Kenan Nuraydın Juli 2019 im Rahmen der Ausstellung »Vergessene Aufklärungen [7]« (27. April bis 4. August 2019) aufführte. Die Performance behandelt den Verlust der Kommunikationsfähigkeit, eingebettet in religiös anmutende kreisende Bewegungen. 2020 ist Emrah Gökdemir für fast ein ganzes Jahr Stipendiat der HALLE 14. Ziel seines Aufenthalts ist es an eigenen künstlerischen Projekten zu arbeiten und sein europäisches Netzwerk weiterauszubauen.