Kommende Ausstellung: Das Hybris-Projekt - Hochmut und sisyphale Vergeblichkeit

GAEG, Passage, 2011. Foto: Matthias Fuchs.

Eröffnung am 1. Mai 2015,
um 15 Uhr

im Rahmen des Rundgangs der SpinnereiGalerien

 

Ausstellungsdauer:
2. Mai bis 16. August 2015

Künstler: Narda Alvarado (BO), Chim↑Pom (JP), Ursula Damm (DE), GÆG (DE), Lucy Glendinning (GB), Harminder Judge (GB), Bjørn Melhus (DE), Tobias Regensburger (DE), Xu Tan (CN), Pinar Yoldas (TR)

Künstlerische Leitung: Michael Arzt, Christian Schoen & Frank Motz


HALLE 14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst eröffnet am 1. Mai, parallel zum 10-jährigen Jubiläum der SpinnereiGalerien, „Das Hybris-Projekt. Hochmut und sisyphale Vergeblichkeit”. Die internationale Gruppenschau befragt in ästhetisch-kritischen wie künstlerisch-visionären Stellungnahmen menschliches Agieren im Kontext eines Jahrtausende alten, ideengeschichtlichen Stoffes. Individueller Erkenntnis- und Freiheitsdrang kollidierte schon seit jeher mit dem Sündenfall Hybris: unaufhaltsam fordert der Mensch sein Schicksal heraus, um die bestehenden Grenzen zu überflügeln und den Lauf der Zeit zu bestimmen. Doch droht nichts Geringeres als ein Kontrollverlust über seine eigene Schöpfung und die Heraufbeschwörung einer globalen Katastrophe.

Die in der Ausstellung versammelten Künstlerinnen und Künstler nähern sich mit ihren Positionen verschiedenen Hybris-Schlüsselthemen wie Umwelt, Körper, Leben, Wissenschaft: Das Künstlerduo GÆG zog 2011 ein 150 kg schweres Boot zu Fuß quer über die Alpen zur Venedig-Biennale, um es dort effektvoll zu Wasser zu lassen. Das Boot sank. Lucy Glendinnings schauerlich-schöne Skulpturen gefiederter, deformierter Körperhüllen weichen die Grenzen zwischen Mensch, Tier und Ding auf. Die japanischen Kunstaktivisten Chim↑Pom erweitern in Leipzig ihre seit 2011 laufende Reihe »Puzzle«, in der sie Bruchstücke verschiedener Orte der Welt in den Ausstellungsraum bringen und dort neu zusammen fügen. Tobias Regensburgers Skulptur »CAMP«, zusammengebaut aus Zivilisationsmüll, wirkt wie das Resultat eines gescheiterten Fluchtversuchs vor der Tragik der Welt.


Gefördert durch:

RE (CLAIM VIEW DRAW)

 

11. Januar bis 25. April 2015


Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 11-18 Uhr

Opening Hours: Tuesday to Friday, 11a.m. to 6p.m.


Künstler: Samir Harb & Danny Wagner


Die Ausstellung RE (CLAIM VIEW DRAW) setzt sich mit Fragen der Narrativität in geografisch und politisch geformten urbanen und unbewohnten Räumen auseinander. Unsere Auffassung von Realität wird durch komplexe Medien auf eine Weise geprägt, die es erschwert, unter die Oberfläche zu schauen. Die am weitesten verbreiteten Repräsentationsformen werden durch die herrschenden Machtstrukturen bestimmt.Ausgehend von dieser Feststellung schlägt die Ausstellung RE (CLAIM VIEW DRAW) vor, Realität neu zu entwerfen. Der Akt des Neuzeichnens eröffnet zahlreiche Beziehungen, die es in Bezug auf die Bildproduktion in Frage zu stellen gilt. Er ist ein Moment der Selbstbestimmung, der eine Entkopplung von politischen Hierarchien ermöglicht.

Auf diese Art versuchen die Ausstellenden eine Diskussion zu etablieren und die Möglichkeit aufzuzeigen, künstliche Realitäten neu zu erfinden. Da hier zwei sehr unterschiedliche kartografische Handhabungen in einer Ausstellung zusammengebracht werden, entfaltet sich die Möglichkeit anderer Erzählweisen.

 

Danny Wagner: Montecristo, Installation (Detail), 2014. Foto: Danny Wagner

Danny Wagner hinterfragt in seinen Arbeiten Situationen, in denen geologische und politische Zustände überlappen. In der Serie islands erkundet der Künstler die westliche Vorstellung vom Paradies. Er vermutet, dass diese „Inseln” aus Bürgerkriegen, Konflikten um Ressourcen, Unfällen und Katastrophen der jeweiligen Region resultieren – oder wie Peter Sloterdijk formuliert: „Inseln sind Weltmodelle in der Welt”. Danny Wagners Arbeiten umfassen Bilder, Zeichnungen, Installationen und konzeptionelle Kunst. In seinen Zeichnungen vollzieht er einen »sinnlichen Akt« von der Zeichnung zum skulpturalen Objekt. Dies verbindet er als dialektisches Moment unter der Bezeichnung „Romantik im Gegensatz zur Aufklärung”.

Danny Wagner arbeitete vor dem Studium zeitweilig als Fotograf auf archäologischen Grabungen. An der Bauhaus-Universität Weimar studierte er ab 2002 Freie Kunst im Bereich Fotografie und wechselte später in die Malerei. Sein Studium setzte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig fort, wo er 2009 in der Klasse für Malerei mit medienübergreifender Ausrichtung bei Prof. Ingo Meller sein Diplom machte. Bei Prof. Joachim Blank war er Meisterschüler in der Klasse für Installation und Raum und unterrichtete Fotografie und Zeichnung an der Abendakademie der HGB Leipzig.

Seine Arbeit begreift Danny Wagner als künstlerische Enzyklopädie, in welcher er sich subjektiv mit globalen, geologischen/geografischen als auch mit politischen Prozessen und daraus resultierenden Bildern und Vorstellungen auseinandersetzt. Seine Konzepte von »Überformung« und »Überlagerung« bilden dabei eine Metaebene, in welche er mit aufklärerischem Forschergeist vordringt. Der konzeptuellen Komponente seiner Zeichnungen, Installationen und artifiziellen Kartografien steht dabei eine Sinnliche gegenüber. Die Zeichnungen reflektieren als sinnlicher Part den Charakter von Bildern.

Website von Danny Wagner www.danny-wagner.com

Arbeiten von Samir Harb in Schloss Solitude

Samir Harb kombiniert in der Arbeit Introduction to [Arch]comicology seine forschungsbasierten Untersuchungen über die Stadt Ramallah/Westjordanland mit Abbildungen architektonischer Umformungen,
die sukzessiv im gesamten Stadtgebiet stattgefunden haben. So drängt er darauf, die Stadt an sich als archäologische Schichtung
bestimmter politscher Epochen und Ereignisse neu zu interpretieren.
Während die architektonische Bewegung den Handlungsort der Geschichte bildet, dient die Graphic Novel dazu, Geschichten von Einzelnen einzufangen, die ihren Alltag in diesem geschaffenen Lebensraum erfahren.

Samir Harb schloss sein Studium der Architektur 2006 an der Birzeit University in Ramallah ab. Im Anschluss studierte er Bildende Kunst am Goldsmiths College in London/Großbritannien und erhielt 2011 den Master of Fine Arts. Samir Harb ist Architekt und Cartoonist und arbeitet seit 2006 im Bereich Architektur und Landschaftsplanung im Westjordanland.

Seine Forschung im Bereich Architektur setzt sich mit territorialen Transformationsprozessen in den besetzten palästinensischen Gebieten
auseinander und auch in seinen Cartoons spielen diese eine große Rolle. Die Ergebnisse seiner Forschung finden sich in Installationen und Zeichnungen wider. Samir Harbs Ausstellungen sind meist von strengen grafischen Elementen durchsetzt und beinhalten Landkarten, historische Ereignisse und Akteure, die formgebend für die räumliche Ordnung der Region sind. Dabei fungiert die grafische Erzählung als Praktik der Neuordnung und Umschichtung von Dingen, Ereignissen, Dialogen, Beschreibungen und Archivmaterial.

Homepage von Samir Harb samir-harb.tumblr.com


Eine Kooperation mit der Akademie Schloss Solitude (Stuttgart).