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14. April bis 5. August 2018 in HALLE 14, Leipzig

22. September bis 14. Oktober 2018 auf AEG, Nürnberg

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© HALLE 14, 2018 | Büro für Fotografie


KünstlerInnen: Nadja Buttendorf & Anne Baumann, Ariamna Contino & Alex Hernández, Susan Donath, Darsha Hewitt in Zusammenarbeit mit Sophia Gräfe, Tamami Iinuma, Sven Johne, KLOZIN (Wilhelm Klotzek & David Polzin), Henrike Naumann, Carsten Saeger, Malte Wandel, Katrin Winkler

Artist in Residence: Henry Bradley

Studierende des Seminars »Unter dem Eis« von Anna Voswinckel und Carsten Möller der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig: Jane Beran, Katrin Esser, Christoph Liepach, Eric Meier, Stefania T. Smolkina, Sarah Veith, Brenda M. Wald

1989/90 implodierte die Deutsche Demokratische Republik. Die reformunfähige »Diktatur der Arbeiterklasse« hatte abgewirtschaftet. Die Menschen reklamierten die Macht des Volkes für sich. Der Staatsapparat wurde abgewickelt, die beiden deutschen Staaten vereinigt und die überkommenen, »volkseigenen Betriebe« als Konkursmasse vor allem an westdeutsche Investoren veräußert. Langersehnte Freiheiten und die Hoffnungen auf Wohlstand und auf eine blockfreie, friedliche Welt wurden greifbar – und für viele Realität. Aber es folgte auch eine Deindustrialisierung in einem bis dato unbekannten Tempo und damit eine kapitale Wirtschaftskrise. Die Folgen waren Massenarbeitslosigkeit, Migration, Leerstand und Verwahrlosung. Rückblickend erscheinen die 1990er Jahre heute als anarchistischer »wilder Osten« geprägt von kulturellen Eskapismus, wirtschaftlichen Abenteuern und eskalierender Fremdenfeindlichkeit. Die neue Freiheit zwang zumindest jede und jeden Ostdeutschen zur Neuorientierung, bedeutete Risiko und verursachte persönliche, biografische und psychologische Krisen. »Metaphysisch obdachlos« geworden, sehnten sich nicht wenige nach erlösenden Selbst- und Weltbildern.

Mit den Jubiläen vervielfachte sich die Anzahl der Fach- und Erinnerungsbücher, populärwissenschaftlichen Darstellungen, Spielfilme, Romane und TV-Dokumentationen. Über das begrenzte Material historischer Aufnahmen legt sich durch unterschiedliche Kontextualisierungen, Wiederholungen und Reinszenierungen eine mediale Patina, die mitunter den Blick auf Lücken und Brüche verschleiert. Zwischen der Betrachtung der DDR als Unrechtsstaat und kitschiger Ostalgie fehlen im populären Diskurs nicht selten die Nuancen. Hier bleibt eine Kluft in der Rezeption und Bewältigung.

Gleichermaßen herrscht zwischen der Generation, die sich in der DDR eingerichtet hatte, und ihren Kindern – mit Bezug auf Hermann Lübbe polemisch gesprochen – ein auffälliges »kommunikatives Beschweigen«. Mit den westdeutschen 1968ern vergleichbar laute Auseinandersetzungen zwischen diesen Generationen um die individuellen, schuldhaften Verstrickungen ins System und ihre Nachwirkungen ins heute sind – bisher – ausgeblieben. Dabei geben allein der Weg der Wendekinder, Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, in den sogenannten »Nationalsozialistischen Untergrund« und die hässliche Nichte der Montagsdemonstrationen, die Abendspaziergänge von Pegida, genügend Anlässe, nach der Gegenwart und den Folgen deutscher Diktaturerfahrungen, der permanenten Bevormundung, geschlossener Weltbilder, Militarismus und starren Identitäten zu fragen.

Das Ausstellungsprojekt »Requiem For A Failed State« stellt die Perspektive einer jungen Generation von Künstlerinnen und Künstlern in den Mittelpunkt. Wie schauen die ab 1980 Geborenen auf das Ende der DDR, die Wendeereignisse und die Dekade der Orientierungslosigkeit der 1990er zurück, an die sie keine oder nur wenig individuelle Erinnerungen haben? Wie lange wirkt ein verschwundener Staat nach? Wer erzählt was von der Vergangenheit, wer nicht? Welche Facetten interessieren diese Generation und welche Entdeckungen machen sie dabei?

Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Seminar »Unter dem Eis« von Anna Voswinckel und Carsten Möller an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig statt.

Gefördert durch: