Get rid of yourself

Ausstellung mit zehn aktivistischen und kritischen Künstler/kooperativen aus den USA


02.08. bis 10.10.2003


mit Matthew Buckingham, Bernadette Corporation, Cabinet Magazine, eteam, New York City Surveillance Camera Players, Picture Projects & The 360degrees Team, Michael Rakowitz, Anne-Marie Schleiner/Brody Condon/retroyou u.a., 16Beaver Group, Temporary Services.


Krieg ohne Ende, Überwachung ohne Ende, Gefängnisse ohne Ende. Obdachlosigkeit, Grundstücksspekulation, Homeland Security, (Anti-)Globalisierung. Was tun? Und vor allem wie? In Kooperation mit der ACC Galerie vereinte „Get Rid of Yourself” (Werd' dich selbst los) zehn zeitgenössische Initiativen und Projekte aus New York, Chicago, Los Angeles und San Francisco, unter ihnen unabhängige Kunstzeitschriften und Künstlerkooperativen, fiktive Künstlerunternehmen, selbstorganisierte Leseplattformen und netzwerkende KonzeptkünstlerInnen.

Interagierende Künstlerkollektive und AktivistInnen gehören in den von polizeistaatlichen und hegemonialen Absicherungsbestrebungen gekennzeichneten USA wie auch in Europa mehr denn je zur Praxis der Kunstproduktion - ihre Zahl scheint angesichts der kontinuierlichen Streichungen staatlicher Sozialprogramme anzusteigen. Welche Wirkungskraft und welchen Handlungsspielraum haben kooperierende Künstler/gruppen in Zeiten der politischen Verflachung ins Absurde? Wie unabhängig nehmen sie ihre Verantwortung in einer Gesellschaft wahr, in der soziale Fürsorge und politische Verantwortung durch Warenkonsum und wirtschaftlichen Egoismus abgelöst werden?

(Selbst-)Sarkasmus, Ausweglosigkeit, Ohnmacht und Depression, aber auch verstärkter Protest, konstruktive Offensive und Widerstandsbereitschaft speisen die Strategien der teilnehmenden Gruppen und KünstlerInnen. Sie geben ihre individuelle Position auf, arbeiten im außerinstitutionellen Rahmen, sind bewusst undercover tätig, intervenieren im öffentlichen Raum, kollaborieren mit nicht-künstlerischen Initiativen und grenzen sich von den Marktgebaren des konventionellen Kunstbetriebs ab. Sie nutzen das Internet oder Piratensender als Werkzeuge für einen aktiven Nachrichtenaustausch mit globalem oder lokalem Aktionsradius oder unterwandern subversiv die technologischen Vorgaben der Computerspiele-Industrie. Sie vereint ihr permanentes Hinterfragen eigener Strukturen, Praxen und Produktionsbedingungen, ihr kritischer, autonomer Zugang zu gesellschaftlichen Zusammenhängen und ihr Wissen, dass es ein „Außerhalb des Systems” nicht geben kann.

Ein großer Teil von ihnen kommt aus New York, einer Stadt, die seit dem 11. September 2001, spätestens aber seit dem Irak-Krieg durch ein bislang ungekanntes Maß an Überwachungsaufgebot und Sicherheitsmanagement ihr Gesicht verändert hat. Von hier gingen Mitte der 1960er Jahre Counter-Culture und politische Protest- aber auch Kunstströmungen wie die Fluxus-Bewegung aus, verbunden mit einem passiven Widerstand gegenüber existierenden Marktstrukturen. Was ist von diesem Protestpotenzial geblieben, was unterscheidet es von heutigen Positionen, was ist reaktivierbar?


Eine Ausstellung in Partnerschaft mit der ACC Galerie Weimar. Die Ausstellung „Get Rid of Yourself” war außerdem vom 06.12.2003 bis 15.02.2004 in der lothringer dreizehn (München) zu sehen.

Ausführliche Informationen

vierzehn Nr. 2 „Get Rid of Yourself”, 2003 (1,4 mb)

Zeitung zur Ausstellung „Get Rid of Yourself“ im Sommer 2003 in der Halle 14 mit Texten und zahlreichen Abbildung zu allen vertretenen KünstlerInnen und –gruppen und einem Artikel zu den Gründungsjahren der Leipziger Baumwollspinnerei.


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